Musikalisch das Leben feiern

Annette Meisl und Rudi Rumstajn

Zum zehnten Mal lud der Verein Südstadt Leben zur „Zigeunernacht“

„Springen Sie von den Sitzen auf und feiern Sie das Leben“, ermutigte Sonja Grupe vom Kulturförderverein Südstadt-Leben die Besucher der Balkan-Roma-Nacht in der Lutherkirche. Es war die nunmehr zehnte Runde des Konzert- und Tanzabends.

Dabei sollte nicht nur der musikalische Schwerpunkt betont werden, sondern auch an die Fronleichnams-Prozession, die etliche der teilnehmenden Sinti und Roma vom Dom bis zum Mahnmal vor den Messehallen Deutz am Kennedyufer geführt hatte, erinnert werden. Von dort waren unter dem NS-Regime tausende ihrer Angehörigen deportiert worden.

„Weinen und Lachen liegen nahe beieinander, und heute lachen wir“, fuhr Sonja Grupe fort. Bevor Ramis Jasar und Marcel Alijevski mit dem modernen rumänischen Popstil Manele unterhielten, trug Rudi Rumstajn das Gedicht „Stürzt ein Vogel“ vor. Das hat der Gitarrist und Sänger gemeinsam mit Annette Meisl geschrieben und wird es vertonen. „Unser Gedicht erzählt von dem Wunder, dass ein Lebewesen ein anderes braucht, um ein Ganzes zu werden“, er- klärte der aus Kroatien stammende Sinto. Zeilen daraus lauten: „Wie ein frühlingsjunger Sommer war ich jung in meinem Sehnen, in der Freiheit tief gefangen.“

Dann folgten die Maele-Popsongs. Die in der Lutherkirche zu hören, war ein neues Hörerlebnis in einer sonst vom Gypsy-Swing dominierten Zigeuner-Nacht. Die traditionelle rumänische Liedform, die überwiegend Roma komponieren und spielen, entwickelte sich aus Lautenspieler-Weisen des Balkans, deren Wurzeln türkisch sind. Der moderne Manele-Stil ist seit den 90er Jahren vorherrschend in der rumänischen Pop-musik. Die orientalischen Ein- flüsse sind so prägend, dass diejenigen, die in der Lutherkirche mittanzten, spontan Kreise wie für einen Volkstanz bildeten und sich im geschmeidigen angedeuteten Bauchtanz-Rhythmus bewegten. In der Enis-Band um den Kölner Enis Ibrahimovski kommen Dejan Frieb, Piano und Keyboard, Marko Jovanovic, Akkordeon, und Dejan Jovanovic, Geige, aus Mülheim a.d. Ruhr zusammen. Gast war die Soul- und Bluessängerin Maja Djodjevic, die schon vor ihrem Auftritt mit dem Publikum tanzte. Ebenso Frontmann Enis, der für einige Manele-Titel zu dem Duo auf die Bühne sprang und am Schlagzeug den kraftvollen Sound aufmischte. Die Hauptband des Abends brachte den Balkan-Tur- bofolk, Gypsy-Jazz und Roma- Blues aus Mazedonien und Serbien mit. Der ist so melodiös, hat so viel feurige Rhythmik und ist so tanzbar, dass Jan Krauthäuser vom Zigeunerfestkomitee empfahl, die Kapelle für Hochzeiten zu engagieren.

Kölnische Rundschau von Ulrike Weinert 27. Juni 2019